Claus mag die Montage. Er ist dann immer voller Ideen, die sich am Wochenende angesammelt haben. Aber er arbeitet am Wochenende nicht bzw. er macht sein Notebook am Wochenende nicht an. Das Wochenende ist für Zeit mit seiner Frau Flocci reserviert. Schlitten fahren, Vögel beobachten, Sonntagszeitung lesen und sich gegenseitig darüber berichten.

Claus hat angefangen, ausgiebig den Wirtschaftsteil zu lesen und parallel an seine Investitionen zu denken. Was sagt ihm diese und jene Überschrift für sein Portfolio?

Doch, endlich angelangt im Feuilleton, atmet er auf. Buchbesprechungen über Buchbesprechungen. Was er eigentlich alles kaufen und lesen müsste. Viel zu viel.

All das geht Claus durch den Kopf am Montag morgen, während er eigentlich mal seine Arbeitsmails checken sollte. Flocci kommt ins Büro. Ihr Büro ist nebenan. Sie hat montags auch keine Lust zu arbeiten. Und ihr Homeoffice ist neben Claus Homeoffice – oder besser gesagt: neben seinem Arbeits-, Wohn-, Sport- und Hobbyzimmer.

Zurück zum Feuilleton: Claus hat sich in einem Interview mit einer marrokanisch-französischen Autorin ein paar Textzeilen angestrichen: „Je größer die Trauer, desto dicker der Roman“. Claus denkt an die Zeit, in der er exzessiv seinen Proust gelesen hatte. Das ist nun schon einige Jahre her. Es war eine Trennung und somit Trauer im Spiel. Claus kaufte sich damals Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (ein sehr dicker Roman).

Er las in der Bahn zur Arbeit. Er unterstrich, machte Notizen, musste lachen und dann schaute er wieder traurig aus dem Fenster. So erinnert sich Claus an die Zeit zurück. Lange ist sie her und wahrscheinlich mischt sich in seiner Erinnerung Fiktion und Realität.

Liebe bedeutet, dem anderen seine persönlichen Fiktionen zu lassen“. Auch dieser Satz ist aus dem Interview mit der marrokanisch-französischen Autorin übernommen. Sie heißt Leila Slimanis. Claus notiert sich ihren Namen, vielleicht kauft er ein Buch von ihr – später, wenn es second-hand für ein paar Euros zu haben ist.

Nun genug für heute, morgen geht’s weiter: Polly und Claus berichten börsentäglich.