Als Claus aus der Mittagspause hochschreckt, ist die Stimmung klar im Keller. Sein linker Fuß schmerzt – ein Souvenir aus seinem Tagtraum, in dem er mit einem Instagram-Geschwisterpaar um die Häuser gezogen war. In seiner Fantasie waren sie ein eingespieltes Team, gehetzt von der Suche nach der richtigen Bahn, gesprungen über Gebüsche, Taxis hinterherjagend, inklusive Badewannen voller Kleidung in anonymen Hotels. Doch an der Bahnschranke verlor er sie. Sie schlüpften hindurch – der Gatekeeper jedoch, hielt ausgerechnet ihn zurück.
Null und Eins scheinen das wahnsinnig komisch zu finden, ihr hämisches Lachen hallt aus dem Keller. Claus ist für heute fertig mit den beiden. Benommen kocht er Kaffee und rührt in seinen Haferflocken. Die Lektüre der Blätter, die vor ihm liegen, macht es nicht besser: Ein Wirtschaftsblatt philosophiert über japanische Hotels für Tote. Claus befördert das Heft direkt in den Papierkorb. Auch das Geschenk zum Fünfzigsten – die Satire über den alternden Herren im Sterbebett – bietet keinen Trost.
Selbst das Magazin über Jungautor*innen ist durchtränkt von Schwermut, Tod und Alter. „Was liegt hier für ein Dreck auf dem Küchentisch?“, brummt Claus. Er sehnt sich zurück in das Abenteuer seines Tagtraums, weg von der morbiden Realität. Doch die Pflicht ruft: Eine E-Mail an den Verteiler „Verwaltung“ muss raus. Schluss mit lustig tralla-lalla-la.

