Manchmal, wenn Claus anfängt auf die Wand gegenüber von seinem Schreibtisch zu starren, übermannt ihn der Proust- bzw. Madeleine-Effekt. In Prousts mehrbändigen Roman über die Suche nach der verlorenen Zeit, fängt der Ich-Erzähler an, über vergangene Zeiten zu sinnieren, sobald er in ein Gebäck, ein französisches Madeleine, beißt.
Bei Claus reicht es manchmal schon aus, den Blick ein paar Sekunden auf die gegenüberliegende Wand zu richten, um in eine Träumerei zu gelangen. Eingerahmt hängen dort vier Bilder nebeneinander. Es handelt sich ausnahmslos um Zeichnungen. Er hatte sie vor einigen Jahren selbst angefertigt.
Auf der ersten, mittlerweile eingerahmten, Zeichnung befinden sich zwei elegante Frauenschuhe. Aus ihnen befreien sich zwei gezeichnete Füße.
Auf der zweiten Zeichnung überschlägt die Frau ihre Beine und legt sich rücklings auf dem Boden, um zu genießen, dass sie nun endlich zuhause ist, wahrscheinlich nach einem langen Arbeitstag.
Auf dem dritten Bild genehmigt sich die Frau ein Glas Wein.
Auf der vierten Zeichnung beginnt die Frau in einem Buch zu lesen.
Geigenmusik ertönt.
Telefonläuten.
Ende des Tagtraums. Claus hätte beinah einen Abgabetermin verpasst. Sein Chef hat ihn freundlicherweise erinnert.
