Tag 38: Selbstpflege

Polly wartet vor Claus‘ goldenen und geöffneten Vogelkäfig darauf, dass er ihr Dosenfutter herausreicht. Er hockt schon wieder seit Stunden drin und stemmt Gewichte. Sie wäre startklar, aber wie es scheint, lohnt es sich nicht zu warten. Sie macht sich also allein auf den Weg.

Sie rollt zunächst über das Gelände der städtischen Müllkippe und trifft auf eine Rattenfamilie, also auf hochintelligente Tiere. Würde Polly etwas Zeit in die Dressur der Ratten investieren, könnte sie einen Hut aufstellen und so auf etwas Kleingeld der Passant*innen hoffen. Die Ratten sind aber viel zu sehr mit Selbstpflege beschäftigt und haben absolut keine Lust sich zu verkaufen bzw. sich für den Profit anderer vermarkten oder ausbeuten zu lassen.

Polly rollert also weiter Richtung Donnersbrücke. Es stinkt hier nach Abgasen und Urin. Auf dem Parkplatz steht ein dunkler Wagen mit rumänischen Kennzeichen. Auf dem Boden davor kniet eine junge Frau und kocht Eier auf einem Gasherd. Polly kuschelt sich an ihre Beine, denn Polly hat heute noch nichts gegessen.

Claus ist mittlerweile fertig mit dem Training. Er steht unter der Dusche und summt „Under the bridge downtown“. Er liebt dieses Lied und gestikuliert wild. Er sollte bloß aufpassen, dass er dabei nicht ausruscht und auf der Nase landet.