Tag 40: Im Nagelstudio.

Polly sitzt im Wartezimmer ihres Nagelstudios. Während sie auf ihren Termin wartet, blättert sie müde und gelangweilt in einem Online-Journal. Sie vertieft sich nach und nach in einen Artikel über die Mailänder Fashion-Show. Sehr interessant alles. Es wurde also endlich die langersehnte „Luftikus Zitronella Inflatable Vagabund Sandals Collection“ vorgestellt. In der ersten Reihe sitzen Prominente mit Schal und Kenner*innenblick.

Auch Polly hätte gern diese schrillen, aufblasbaren Schuhe – in ihrem Fall müssten es natürlich aufgeblasene Rollerskates sein. Sie würde regelmäßig die Luft rauslassen und die schicken Dinger in der aufblasbaren Handtasche verschwinden lassen. Und wenn sie rollern wolle, würde sie jemanden auf der Straße ansprechen, der sie für sie aufbliese.

Vielleicht würde ein neuer Berufszweig entstehen. Statt Schuhputzer*innen würden nun Schuhpuster*innen gebraucht. Während sie darüber nachdenkt und weiterblättert, wird sie auf einen weiteren Artikel aufmerksam. Sie findet zwar, dass in diesem Geschreibsel nicht das geringste, nicht das allergeringste Zeichen von Begabung festzustellen sei, leitet ihn dennoch an Claus weiter. Polly weiß: Claus braucht diese verkopften Artikel und Bücher zur Inspiration für seine große Kunst.

Sie tippt in ihr Smartphone:

Guck mal Claus, ist das nicht was für dich? Körper in Bewegung: Unterwegs sein im Kontext einer Ästhetik sozialer Nachhaltigkeit. Link: https://doi.org/10.17879/sun-2026-9332. Sofort erscheinen zwei blaue Häkchen. Claus hat also angebissen.