An einem schmalen Katzenpfötchen macht eine Armbanduhr immer Eindruck – aber erst recht, wenn es sich um eine protzige Taucheruhr handelt. Polly fühlt sich damit teuer und begehrenswert, während ihre güldenen Boxerboots mit Italienflagge den Look perfekt abrunden.
Mit nur zwei Klicks schnallt sie sich blinkende Rollen unter die Stiefel und das Outfit ist komplett. Im Vorbeirollen streckt sie ihre Tatze samt Luxusuhr siegessicher in die Luft. Sie ruft: „Catpower! Yeah!“ und schon ist sie von Claus Fenster aus nicht mehr zu sehen.
Es ist exakt das gleiche Uhrenmodell, das auch jemand Prominentes aus Wales trägt – ein Erbstück seiner Mutter. Claus scheint sichtlich zufrieden. Er weiß: spätestens, wenn der alte König das Zepter aus der Hand gibt und der neue Regent bei der feierlichen Übergabe seine Uhr blitzen lässt, wird das Modell an Pollys Pfötchen im Wert explodieren.
Beflügelt von diesen Gedanken an eine glorreiche Zukunft widmet sich Claus wieder seinem finanziell aussichtsreichsten Projekt: plastische Zinken aus Gold und Silber für ein Online-Auktionshaus entwickeln. Er schnappt sich Zettel und Stift und lässt seiner Kreativität freien Lauf. Ein Zickzack über einer liegenden Acht soll für Nomad*innen stehen, ein offener Kreis mit unterbrochener Linie für Menschen auf der Flucht, ein Semikolon ohne Schweif als Code für das Fremde, während für Kosmopolit*innen sinnbildlich Pfeile aus einem Kreis in alle Himmelsrichtungen schießen. Sogar an die Frau, die im Wagen übernachtet, hat er gedacht – symbolisiert durch eine Mondsichel über zwei Reifenspuren. Mit diesen starken Designs in der Tasche blickt Claus auf ein hoffentlich verdammt gutes Geschäftsjahr.
Polly ruft an, per Videocall: „Ich habe meine Uhr beim Tauchgang verloren, kannst du mal gucken kommen…?“. Claus wechselt Schlappen mit Slipper und schlürft sichtlich bekümmert los.

