Claus schaut über den Rand seiner Marktplatzmonologe – libertäre Sonntagszeitung. Er ist zwar in seinem Lieblingsteil flanieren und feilschen vertieft, kann sich aber trotzdem nicht verkneifen auf Pollys theatralische Provokationen am Kühlschrank einzugehen: Polly, du hast erst vor zwei Stunden gefressen. Das ist kein Hunger, das ist Langeweile.

​Claus versteht nichts von der Komplexität des kätzischen Stoffwechsels. Während er über Fastenmonate und politische Durststrecken philosophiert, findet in Pollys Leben eine echte Tragödie statt. Sie schiebt vorsichtig eine Pfote in den Türspalt des Kühlschranks und ergaunert sich ein Stück Krabbenfleisch – ihr persönlicher Akt zivilen Ungehorsams.

Trotz des Proteinhappens, noch immer völlig entkräftet, rollt sich Polly schwerfällig (und, wenn man ehrlich ist: pappsatt und leicht überfressen) zurück ins gemeinsame Körbchen. Claus streichelt ihr über den Kopf. Polly schnurrt. Sie leben in diesem Moment in einem tradierten Rollenverhältnis. Als ihnen das bewusst wird, schrecken sie beide kurz auf. Darf das sein?

Plötzlich hören sie es fahrradklingeln. Eine Gruppe von Frauen aus der feministischen Fahrrad-Demo der naheliegenden Großstadt kommen zurück ins Umland. Polly und Claus gehen auf die Terrasse und strecken solidarisch die Faust.

Flocci verabschiedet sich von ihren Freundinnen, steigt vom Rad und stellt es in den Schuppen. Du könntest es mal wieder putzen, Claus, sagt sie und gibt Claus einen Kuss. Polly schleicht um Floccis Beine und sie schauen sich zusammen die Knospen im Garten an. Es wird Frühling.