Claus sitzt an diesem schönen Mittwochvormittag am Schreibtisch und feiert ein verfrühtes Bergfest der Arbeitswoche. Auf seinem Bildschirm beobachtet er die Krypto-Kurse. Er starrt gebannt und ein bisschen angewidert auf die Entwicklungen. Wer ist Kurs- und Kriegsgewinner*in und wer überlebt diesen Wahnsinn, eingekauert unter Trümmern?
Vor ihm verschwimmen die Zahlen. Er entdeckt schwimmende Zahlentiere, die sich synchron – abgeschirmt mit eleganten Badekappen – hektisch bewegen. Sie tauchen ihre Köpfchen unter Wasser, die Einsen recken elegant ihr Beinchen in die Luft und machen zudem einen schönen Fuß. Die Nullen setzen zu schwindelerregenden Kurssprüngen an und landen letztendlich mit einem heftigen Bauchklatscher. Das Wasser spritzt meterweit.
Flocci muss lachen, als sie das Büro betritt. Eigentlich wollte sie nur ihren morgendlichen Cappuccino bestellen, doch dann entdeckt sie Claus mit Badeschuhen am Rechner sitzend.
Sie öffnet das Fenster. Die Morgenluft bricht herein und verändert die Szenerie. Eine Eins nutzt die Gunst der Sekunde und verschwindet in den Frühling. Eine Null ist ihr dicht auf den Fersen. Wenig später landen sie gemeinsam auf dem Rücken eines Blauwals, der stoisch einen rostigen Tanker durch die Wellen eskortiert.
Der Wal ist ein schwimmendes Exil. In seinem Inneren, tief unter der Haut, dampft der Tee einer Bewohnerin. Sie führt ein nomadisches Leben im Bauch des Giganten. Ihr Kurs ist stabil, während der Wal einen Öltanker durch die Brandung führt. Null und Eins sitzen auf dem Blauwalrücken und geben sich entspannt. Die Seeluft tut ihnen gut.

