6:30 Uhr. Polly wird wach, nimmt sich die Karte ihrer 24/7-Fitnesscenterkette, verlässt ihr mit Plane überdachtes Körbchen im Wald und stiefelt zum Sport. Sie nutzt dort traditionell die sanitären Einrichtungen, denn ohne Katzenklo hat sie sonst kaum Möglichkeiten sich zu erleichtern, ohne verscheucht zu werden. In ihren Spind legt sie ihr Leben ab. Ein Buch über Mäuse, ihre Rollschuhe und ihren Helm. Sie geht ins Klo, erleichtert sich, wäscht sich die Pfötchen, trinkt ihren Automatenkaffee und dann geht es ab an die Gewichte. Heute steht Rumänisches Kreuzheben auf dem Programm. So langsam kommen auch andere Frühaufsteher*innen rein, meist Rentner*innen, die sich lange dehnen, im Schritttempo auf dem Laufband spazieren, sich unterhalten. Polly grüßt oder besser gesagt, sie nickt den anderen zu, geht in die Position und zieht und drückt die Kilos was das Zeug hält. Hier drin fragt niemand, wo sie wohnt und ob sie einen festen Wohnsitz hat. Hier drin ist sie Sportlerin. Sie hat sich ausgepowert, geht duschen, nickt nochmal den anderen zu, miaut „Tschau Miau“ und verschwindet. Morgen wird sie ihren Tag ähnlich beginnen – vielleicht in einer anderen Fitnesscenterfiliale, vielleicht aber auch in der gleichen. Mal sehen, wohin ihr Weg sie heute führt.

