Claus hätte gern Hannah Arendt zur Tante gehabt. Wenn er sie auf YouTube reden und rauchen sieht, wenn er ihr zuhört, wie sie auf ihre ganz eigene Art über Vernunft spricht und angestellte Überlegungen darlegt, ist er verliebt in diese Stimme und in das, was sie sagt. Nicht, dass er ein Arendt-Experte wäre – aber er liebt die Vorstellung, sie zur Tante gehabt zu haben, oder besser: noch zu haben. Er stellt sich vor, wie sie bei ihren seltenen Besuchen vorbeikommt – jene Tante, die weit weg wohnt und nur gelegentlich da ist –, um mit ihr über Gesellschaft, Handeln und Denken zu sprechen. Um danach, nach einem kleinen Schlummertrunk, zufrieden und inspiriert einzuschlafen.