• „Wir werden erst Frieden haben, wenn die Menschheit ausgerottet ist“, spricht der Talkshowgast. Er will wohl etwas provozieren. Der junge Mann in Pulli mit Kapuze entgegnet: „Ich sehe das anders, für mich ist die Erde ein Trainingsplanet und gar nicht programmiert für Frieden“. Besonders austrainiert sieht er nicht aus. Er will wohl etwas provozieren.

  • Dass die Bahnen so pünktlich sind, liegt an der Disziplin. Alle Reisende stehen an exakt der richtigen Stelle am Bahnsteig. Internationales Publikum mit großen Koffern stehen im Weg, springen in sich schließende Zugtüren, springen sich in die Arme, unterhalten sich gestikulierend, bringen alles durcheinander.

  • Claus beschließt, Frauen, die in Autos schlafen, zu malen. Kulli auf Papier. Er googelt nach eben diesen Stichworten: „Frauen, die in Autos schlafen“. Schnell wird er fündig. Da ist zum Beispiel diese offensichtlich obdachlose Frau, die in den USA mit dem Automobil unterwegs ist. Sie sieht runtergekommen aus. Sie steht, zusammen mit einem kleinen Hund,…

  • Pionier*innen gehen in unliebsame Viertel. Sie machen alles schick und werden zum Dank als Gentrifizierer*innen entlarvt und verwiesen: „Haut bloß ab!“ steht auf Hauswänden und hochgehaltenen Schildern.Buuh, eine ungerechte Welt. Claus hat kein Mitleid. Polly auch nicht.

  • Claus denkt darüber nach, wie krass es eigentlich ist, dass Digitale Nomad*innen durch die Welt jetten und Remote-Jobs tätigen. Claus hatte sich das immer als schönes Lebensmodell vorgestellt. Es hat aber auch etwas Unsoziales. Die Menschen vor Ort haben nicht die gleichen Chancen. Jemand aus dem Westen fliegt ein, tippt ein paar Dinge in den…

  • Miezies

    Reibt sich die Katze die Pfötchen, fühlt sie sich wohl. Das Reiben, auch Kneten genannt, ist ein Überbleibsel aus ihrer frühen Kindheit, als sie als Jungkätzchen beim Säugen die Milchdrüsen der Mutter geknetet haben.Wenn sich eine Katze an einem Poller reibt, markiert sie ihr Revier. Sie signalisiert anderen Katzen: Hier ist mein Revier, verzieh dich.Nun…

  • Eine Arbeiterin im Zentralkongo bekommt umgerechnet jeweils 3,50 Euro/Monat für ihre Arbeit (Kaffeebohnenplantage). Sie lebt in Armut. Leidende Menschen zu fotografieren bringt dem Fotografen der westlichen Welt 300 US-Dollar pro Bild. Claus bringt seinen Unmut darüber zu Papier. Er fotografiert seine handschriftlichen Notizen hierzu und stellt sie als Foto auf Instagram. Immerhin zwei Likes. Claus…

  • Nordkoreas Grenzen sind wieder dicht. Drei Wochen durften westliche Touristinnen und Touristen rein. Es wurde viel fotografiert und gepostet. Es wurde viel geinfluencent. Das war dem Machthaber zu viel. Polly packt ihre Tasche und haut ab. Es soll Menschen geben, so sagt der Volksmund, die haben außer Macht nicht viel zu bieten.

  • Vagabundage unterscheidet sich von der Migration durch die Häufigkeit der Verlagerung des Lebensmittelpunkts. Während Migration bereits durch eine einmalige Verlagerung geschehen kann, ist Teil der Vagabundage das stete Umherschweifen.

  • „Hallo, ich bin Timi, ganz schön langweilig hier, oder?“. Polly ist im ersten Augenblick etwas verdutzt darüber, was diese fremde Katze von ihr möchte: „Kenne ich Sie?“. Polly ist als Keynote-Speakerin auf einer Tagung eingeladen. Sie wurde zum Thema „Auswirkungen von Grenzenüberwindung auf die Katzenpsyche“ angefragt und sagte spontan zu. Nun wird sie also von…